Erste Schritte mit X-Plane unter Linux
Diese Anleitung beschreibt die ersten Schritte, um X-Plane unter Linux optimal einzurichten. Sie richtet sich an Linux-erfahrene Benutzer und baut auf einer bestehenden Linux-Installation auf.
Systemvoraussetzungen
X-Plane 12 ist ein anspruchsvoller Flugsimulator, der erhebliche Systemressourcen benötigt, besonders für realistische Simulationen in hohen Auflösungen. Single-Core-Performance bleibt zwar wichtig, aber X-Plane 12 verteilt einen erheblichen Teil der Frame-Arbeit auf mehrere Kerne. Ideal ist eine schnelle CPU mit guter Single-Core- und Multi-Core-Leistung.
Empfohlene Anforderungen
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CPU: Aktuelle Generation mit hoher Single-Core- und Multi-Core-Leistung (Intel Core i7/i9 oder AMD Ryzen 7/9)
- Warum? X-Plane profitiert von hoher Single-Core-Geschwindigkeit und verteilt Rendering-Arbeit auf mehrere Kerne. Diese Empfehlungen zielen auf Addon-lastige Setups mit Orthofotos — Laminar Researchs offizielles Minimum liegt niedriger (z.B. Intel i5-12600K).
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RAM: 32 GB oder mehr
- Warum? Speicherhungrige Addons, detaillierte Szenerien und Orthofotos können den RAM-Verbrauch drastisch erhöhen.
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Grafikkarte: Hochleistungs-GPU mit mindestens 8 GB VRAM (z.B. NVIDIA RTX 3080/4080 oder höher)
- Warum? Insbesondere für 4K-Auflösung oder Multi-Monitor-Setups wird viel Grafikleistung und VRAM benötigt. Hochauflösende Texturen und komplexe Beleuchtungseffekte fordern selbst High-End-GPUs.
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Speicherplatz: 250 GB oder mehr SSD-Speicher (NVMe empfohlen)
- Warum? Die Basisinstallation benötigt ca. 25 GB, eine Vollinstallation mit allen Szenerien-Regionen ca. 75–80 GB. Orthofotos können schnell Hunderte von GB hinzufügen. SSD-Geschwindigkeit reduziert Nachladezeiten während des Flugs.
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Netzwerk: Schnelle Internetverbindung für Ortho-Streaming und Kartenaktualisierungen
- Warum? Echtzeitdaten wie Wetter und Luftverkehr sowie Streaming-Orthofotos benötigen eine zuverlässige Verbindung.
Hardware-Optimierungen
- SSD/NVMe-Laufwerk für Betriebssystem und X-Plane-Installation
- Dedizierte Grafikkarte mit aktuellen Treibern
- Mehrere Monitore für erweitertes Cockpit-Setup
- Gutes Kühlsystem, da X-Plane CPU und GPU stark belastet
Hinweis: Selbst mit High-End-Hardware kann X-Plane anspruchsvoll sein. Die empfohlenen Optimierungen in dieser Dokumentation helfen, das Beste aus dem vorhandenen System herauszuholen.
Debian Linux installieren
Diese Dokumentation setzt eine bestehende Debian-Installation in der aktuellen Stable-Version mit funktionierender grafischer Benutzeroberfläche voraus. Falls Debian noch installiert werden muss, finden sich hier die wichtigsten Ressourcen:
Offizielle Installationsquellen
- Debian-Hauptserver — Hier findet sich immer die aktuelle Stable-Version
- Weltweite Debian-Spiegelserver — Nahegelegenen Server für schnellere Downloads wählen
- Debian-Netzwerkinstallation — Minimale ISO für Netzwerkinstallation (empfohlen)
Wahl der richtigen Version
- Stets die aktuelle Stable-Version von Debian verwenden — maximale Stabilität
- Die Stable-Version wird auf der Debian-Hauptseite prominent angezeigt
- Für X-Plane-Performance immer die 64-Bit-Version (amd64) wählen
Tipps für die Installation
- Jede gängige Desktop-Umgebung funktioniert mit X-Plane. "GNOME" oder "KDE Plasma" werden für Einsteiger empfohlen — große Community-Unterstützung und ausgereifte Wayland-Integration
- Bei der Partitionierung den Swap-Speicher konfigurieren: ca. 4 GB genügen ohne Hibernation, oder in Höhe des vorhandenen RAMs bei geplanter Hibernation-Nutzung
- Separate Partitionen für
/(root, mindestens 30 GB) und/home(restlicher Speicher) einrichten - Den GRUB-Bootloader auf dem Hauptlaufwerk installieren
Nach der Installation
Nach erfolgreicher Installation und Anmeldung in der grafischen Benutzeroberfläche sind folgende Schritte empfehlenswert:
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System vollständig aktualisieren:
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Wichtige Basis-Pakete installieren:
Die folgenden Kapitel dieser Dokumentation setzen eine funktionierende Debian-Installation voraus und konzentrieren sich auf die Optimierung für X-Plane.
X-Plane 12 unter Linux installieren
X-Plane 12 ist sowohl über Steam als auch direkt vom Entwickler Laminar Research erhältlich. Obwohl die Steam-Version für Einsteiger bequem sein kann, konzentriert sich diese Dokumentation auf die Standalone-Version, die mehr Kontrolle und Flexibilität bietet.
Installationsmethoden
Standalone-Version (direkter Download von Laminar Research)
Die direkte Installation von X-Plane bietet zahlreiche Vorteile für erfahrene Nutzer:
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X-Plane herunterladen
- Die offizielle X-Plane-Website aufrufen
- X-Plane 12 erwerben (oder die Demo-Version herunterladen)
- Den Linux-Installer herunterladen (
X-Plane12InstallerLinux.zip, ca. 25 MB)
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Installer vorbereiten
- In den Download-Ordner wechseln und die Datei entpacken:
- Den Installer ausführbar machen (falls nötig):
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Installation starten
- Den Installer ausführen:
- Im grafischen Installer lassen sich auswählen:
- Installationsverzeichnis (empfohlen:
/home/[username]/X-Plane 12/) - Zu ladende Szeneriepakete
- Weltabdeckung (mindestens das Hauptfluggebiet auswählen)
- Installationsverzeichnis (empfohlen:
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Download-Prozess
- Der Installer lädt die ausgewählten Inhalte herunter (25–80 GB je nach Szenerien-Auswahl)
- Dieser Vorgang kann mehrere Stunden dauern
- Der Download kann jederzeit unterbrochen und später fortgesetzt werden
Vorteile der Standalone-Version
- Volle Kontrolle über Installationsverzeichnis und -optionen
- Direktes Update über den X-Plane-Updater ohne Drittanbieter
- Oft schnellere Updates bei neuen Versionen
- Einfache Backups und Migration auf andere Rechner
- Uneingeschränkter Zugriff auf die Dateien für Modifikationen
Nach der Installation
Nach erfolgreicher Installation sind folgende Schritte empfehlenswert:
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Erstes Starten: X-Plane einmal starten und wieder schließen, damit Konfigurationsdateien erstellt werden
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Leistungseinstellungen optimieren: Grafikeinstellungen entsprechend der vorhandenen Hardware anpassen. Siehe die Seite X-Plane-Konfiguration für detaillierte Linux-spezifische Hinweise.
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Performance prüfen mit der eingebauten FPS-Anzeige (Aktivierung mit
Shift+Strg+F)
Überprüfung der Bibliotheksabhängigkeiten
Wenn X-Plane nicht startet oder unerwartet abstürzt, kann das an fehlenden Bibliotheken liegen. Linux bietet mit dem ldd-Tool eine einfache Möglichkeit, Abhängigkeiten zu überprüfen:
Abhängigkeiten mit ldd überprüfen
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Terminal öffnen und zum X-Plane-Verzeichnis navigieren:
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ldd auf die X-Plane-Executable anwenden:
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Die Ausgabe analysieren:
- Normale Abhängigkeiten erscheinen im Format:
libname.so => /pfad/zu/libname.so - Problematische Abhängigkeiten zeigen
not foundoder fehlen komplett:
- Normale Abhängigkeiten erscheinen im Format:
Interpretation der ldd-Ausgabe
Die ldd-Ausgabe zeigt alle dynamischen Bibliotheken, die X-Plane benötigt:
linux-vdso.so.1 (0x00007ffcb9192000)
libdl.so.2 => /lib/x86_64-linux-gnu/libdl.so.2 (0x00007f040d8e5000)
libpthread.so.0 => /lib/x86_64-linux-gnu/libpthread.so.0 (0x00007f040d8c6000)
libGL.so.1 => /usr/lib/x86_64-linux-gnu/libGL.so.1 (0x00007f040d83a000)
libvulkan.so.1 => not found
...
- Gefundene Bibliotheken: Mit vollständigem Pfad aufgelistet
- Fehlende Bibliotheken: Mit
not foundmarkiert - Abhängigkeiten der Abhängigkeiten: Werden ebenfalls angezeigt
Behebung fehlender Abhängigkeiten
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Beispiel: Fehlende Vulkan API-Bibliothek:
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Beispiel: Fehlende Audio-Bibliotheken:
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Beispiel: Fehlende OpenGL-Bibliotheken:
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Beispiel: 32-Bit-Kompatibilität (selten nötig — nur für bestimmte Drittanbieter-Plugins oder Wine-basierte Tools):
Häufige fehlende Abhängigkeiten
| Bibliothek | Paket | Installationsbefehl |
|---|---|---|
| libvulkan.so.1 | libvulkan1 | sudo apt install libvulkan1 |
| libGL.so.1 | libgl1 | sudo apt install libgl1 |
| libX11.so.6 | libx11-6 | sudo apt install libx11-6 |
| libasound.so.2 | libasound2 | sudo apt install libasound2 |
| libpulse.so.0 | libpulse0 | sudo apt install libpulse0 |
Nach der Installation fehlender Bibliotheken X-Plane erneut starten. In den meisten Fällen werden dadurch Startprobleme behoben, die durch fehlende Abhängigkeiten verursacht wurden.
Fehlerbehebung
Falls Probleme auftreten:
- X-Plane startet nicht: Logfile in
~/X-Plane 12/Log.txtprüfen - Schlechte Performance: Grafiktreiber aktualisieren und Grafikeinstellungen reduzieren
- Abstürze: Sicherstellen, dass alle X-Plane-Dateien korrekt heruntergeladen wurden
- Eingabegeräte werden nicht erkannt:
jstest-gtkzur Diagnose und Kalibrierung installieren - Allgemeine Probleme: GPU-Treiber-Kompatibilität prüfen, sicherstellen, dass alle Linux-Pakete aktuell sind, und X-Plane-Systemanforderungen auf der offiziellen Website überprüfen
Je nach verwendeter Hardware und Linux-Distribution können spezifische Anpassungen erforderlich sein. Die hier gezeigten Beispiele wurden mit Debian getestet, funktionieren aber mit geringfügigen Änderungen auch auf anderen Distributionen. Für technische Begriffe steht das Glossar zur Verfügung.
Nächste Schritte
Nach einer erfolgreichen Installation geht es mit folgenden Themen weiter:
- NVIDIA-Treiber — Proprietäre NVIDIA-Treiber installieren und konfigurieren
- Liquorix-Kernel — Low-Latency-Kernel optimiert für Desktop-Workloads
- System-Tuning — CPU-Governor, Interrupt-Shielding und Kernel-Parameter
- Display-Server — Wayland vs. X11 für X-Plane
- X-Plane-Konfiguration — Linux-spezifische Grafik- und Performance-Einstellungen